Fünf Hersteller, ein Kartell
Das europäische LKW-Kartell war kein Werk eines einzelnen Unternehmens – es war das Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit zwischen den marktführenden LKW-Produzenten des Kontinents. Die EU-Kommission hat in ihrer Entscheidung von 2016 die Rollen der einzelnen Beteiligten detailliert beschrieben. Hier ein Überblick über die wichtigsten Akteure und ihre jeweilige Situation.
MAN – Kronzeuge ohne Bußgeld
MAN (heute Teil der TRATON Group / Volkswagen-Konzern) war eines der führenden Mitglieder des Kartells – und gleichzeitig derjenige, der das Verfahren ins Rollen brachte. Als erster Kronzeuge wandte sich MAN 2011 an die EU-Kommission und offenbarte die kartellrechtswidrigen Absprachen. Als Belohnung für diese Kooperation wurde MAN vollständig von Bußgeldern befreit. Das bedeutet jedoch nicht, dass MAN-Kunden keine Schadensersatzansprüche geltend machen können – die zivilrechtliche Haftung bleibt bestehen.
Daimler – Höchstes Einzelbußgeld
Daimler (heute Mercedes-Benz Trucks) erhielt mit rund 1,0 Milliarde Euro das höchste Einzelbußgeld im Verfahren von 2016. Das Unternehmen war einer der größten und aktivsten Teilnehmer des Kartells. Daimler hat seither zahlreiche Vergleiche mit klagenden Unternehmen geschlossen, führt aber auch weiterhin Gerichtsverfahren.
Volvo/Renault – Kooperation mit der Kommission
Die schwedische Volvo Group, zu der auch die Marke Renault Trucks gehört, erhielt eine reduzierte Geldbuße, da das Unternehmen mit der Kommission kooperierte. Das Bußgeld belief sich auf rund 670 Millionen Euro. Volvo-Trucks und Renault-Trucks-Fahrzeuge aus dem Kartellzeitraum sind vollständig von Schadensersatzklagen erfasst.
DAF / PACCAR – Niederländischer Marktführer
DAF Trucks, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen PACCAR-Konzerns, wurde mit einem Bußgeld von rund 753 Millionen Euro belegt. DAF ist in den Benelux-Ländern und Deutschland besonders verbreitet und entsprechend stark in Schadensersatzverfahren einbezogen. PACCAR hat die Kartellbeteiligung grundsätzlich anerkannt.
Iveco – Geringste Beteiligung, aber trotzdem haftbar
Iveco (CNH Industrial) erhielt ein Bußgeld von rund 495 Millionen Euro. Das Unternehmen war weniger dominant in der Preisführerschaft, war aber an den koordinierten Absprachen beteiligt. Auch gegen Iveco können betroffene Käufer Schadensersatz fordern.
Scania – Separates Verfahren
Scania, ebenfalls Teil der TRATON Group, weigerte sich, an der einvernehmlichen Einigung von 2016 teilzunehmen. Die Kommission verhängte daher im September 2017 in einem separaten Beschluss ein Bußgeld von rund 880 Millionen Euro gegen Scania. Scania hat diese Entscheidung zunächst angefochten, das Gericht der EU bestätigte das Bußgeld jedoch in seiner wesentlichen Höhe.
Bußgelder im Vergleich
| Hersteller | Bußgeld (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|
| MAN | 0 € | Kronzeugenregelung |
| Daimler | ~1,0 Mrd. € | Höchstes Einzelbußgeld |
| DAF / PACCAR | ~753 Mio. € | – |
| Volvo/Renault | ~670 Mio. € | Kooperationsrabatt |
| Iveco | ~495 Mio. € | – |
| Scania | ~880 Mio. € | Separates Verfahren 2017 |
Hinweis: Die Bußgeldbeträge sind gerundete Richtwerte gemäß öffentlich zugänglichen EU-Kommissionsentscheidungen.